Aktuelle Ausstellung: Augenblicke | Lichtblicke

Schönheit auch in kleinen Dingen sehen

Ute Knüfer aus Au ist mit ihrer Kamera durch Ehrenkirchen gezogen / Ausstellung im Kunstkiosk.

EHRENKIRCHEN (fry). Seitdem im Jahr 1851 das erste Lichtbild gelang und öffentlich wurde, flammt der Konflikt zwischen Malerei und Fotografie immer wieder auf – seit nunmehr 163 Jahren. Allerdings findet in jüngerer Zeit eine Annäherung zwischen den beiden Darstellungsdisziplinen statt: Die lange Zeit als unwürdige Schwester der Malerei verachtete Fotografie ist ebenbürtig geworden. Wie fließend die Übergänge sind, beweist nun auch das Kunstprojekt, das zurzeit im Kunstkiosk im Eingangsbereich des Rathauses Ehrenkirchen zu sehen ist. “Augenblicke / Lichtblicke” hat Ute Knüfer ihre aus rund 60 Fotografien bestehende Präsentation genannt.
Die in Au heimisch gewordene Künstlerin hat sich nach einer Einladung durch den örtlichen Arbeitskreis Kunst und Kultur zu einem Symposium im vergangenen Herbst mit ihrem Smartphone in den Ortsteilen Ehrenkirchens auf die Suche nach Motiven gemacht – mit überraschendem Ergebnis. Denn ihr Interesse galt nicht den Postkartenmotiven im hellen Tageslicht, sondern ganz im Gegenteil den “Schattenseiten”, den stillen und unspektakulären Winkeln. Dabei nahm die Künstlerin die technischen Unzulänglichkeiten nicht nur in Kauf, sondern nutzte sie geradezu. So erhalten Fassaden, Häusereingänge, Treppen und Hinterhöfe etwas unerklärlich Geheimnisvolles. Bei ihrer mehrwöchigen Tour durch Ehrenstetten, Kirchhofen mit Ambringen, Norsingen, Offnadingen und Scherzingen habe sie festgestellt, so die Künstlerin bei der Ausstellungseröffnung, dass jeder Ortsteil mit einem ganz eigenen Straßenlampenmodell ausgestattet sei. Diese Lampen spielen in ihren Fotografien eine große Rolle, sowohl meistens als einzige Lichtspender als auch wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Allen Bildern gemeinsam ist eine gewisse und je nach Motiv abgestufte Körnigkeit und Unschärfe, die gewöhnlich als Mangel empfunden wird, hier aber bewusst als Stilelement eingesetzt wird. So entsteht eine Wirkung, wie sie auch die Werke der einst verpönten, aber nun schon lange weltberühmten Werke impressionistischer Maler erzielen. Die Reaktionen und Kommentare des Vernissagepublikums, dem die Projektion auf eine wandgroße Fläche vergönnt war, bewiesen es. Vor allem aber die ganz andere Sicht auf Vertrautes und Bekanntes rief großes Staunen hervor bei den zumeist ortsansässigen Gästen. Tausendmal gesehen, achtlos daran vorüber gegangen – und nun die Erkenntnis, dass die Schönheit auch in den kleinsten Dingen wohnt. Dies war die Wirkung, die sich die Künstlerin erhofft hatte.

Ute Knüfer ist erklärte Vertreterin der “arte povera” der “armen Kunst”, die in Italien “erfunden” wurde. Da wird auch das Unscheinbarste zum Gegenstand des Interesses: verlassene Häuser in der Gänze und im Detail, Gebrauchsgegenstände, die nicht mehr benutzt werden, verfallende Fassaden und heruntergewirtschaftete Werkstätten. Im Laufe ihres Schaffens hat sich Ute Knüfer mit vielen Wissensgebieten beschäftigt. Neben ihres Studiums der Sozialpädagogik und der Psychotherapie ist sie auch ihren künstlerischen Neigungen nachgegangen und lernte verschiedene Techniken. Das führte zu vielen Ausstellungen im In- und Ausland .

Ausstellung: “Augenblicke/Lichtblicke” von Ute Knüfer ist bis 30. April im Rathaus Ehrenkirchen zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.
von Anne Freyer




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